In der Nacht zum 3. Januar 2026 landeten US-Spezialkräfte in Caracas, nahmen den amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau fest und brachten beide nach New York.
Die Begründung war Drogenterrorismus. Das offizielle Narrativ, das dieser Operation vorausging, war seit Jahren aufgebaut worden. Venezuela als Drehscheibe des Kokainschmuggels, Maduro als Narko-Terrorist.
Unabhängige Experten bezweifelten das schon damals. Venezuela spielt im US-Drogenhandel eine marginale Rolle. Fentanyl, das eigentliche Hauptproblem der amerikanischen Drogenkrise, wird in Mexiko hergestellt und über die US-Südgrenze geschmuggelt. Was Venezuela hatte, war etwas anderes: die größten Ölreserven der Welt.
Die Medien berichteten intensiv, bis zur Festnahme. Danach wurde es still. Dabei fingen die eigentlich interessanten Fragen da erst an.
Was ist aus Venezuela geworden?
Das oberste Gericht ernannte Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin. Rodríguez, langjährige Vertraute Maduros und überzeugte Sozialistin, vollzog eine bemerkenswert schnelle Kehrtwende. Sie trieb die Privatisierung des Ölsektors voran, öffnete den staatlichen Ölkonzern PDVSA für ausländische Investitionen, darunter aus den USA und kooperierte mit Washington, während sie offiziell Maduros Freilassung forderte. Die USA lockerten im Gegenzug ihre Ölsanktionen gegen Venezuela. Trump hatte bei einem Treffen mit Exxon-, Chevron- und Conoco-Managern von bis zu 100 Milliarden Dollar Investitionen im venezolanischen Ölsektor gesprochen. Der venezolanische Regent war weg, das Öl blieb und wurde zugänglich.
Ob sich die Lage der venezolanischen Bevölkerung verbessert hat, ist eine andere Frage. Amnesty International stellte fest, dass Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen nach dem Machtwechsel allgegenwärtig blieben. 90 Prozent der Bevölkerung gelten als arm, seit 2017 sind mehr als acht Millionen Menschen geflohen.
Was ist aus Maduro geworden?
Maduro sitzt im Metropolitan Detention Center in Brooklyn. Bei seiner ersten Anhörung am 5. Januar 2026 erklärte er sich für nicht schuldig, bezeichnete sich als Entführungsopfer und als Kriegsgefangenen. Sein Anwalt Barry Pollack, der auch Julian Assange vertreten hat, kämpft seither um die Finanzierung der Verteidigung. Die US-Regierung verbietet Venezuela wegen bestehender Sanktionen, Maduros Anwaltskosten zu übernehmen. Eine kurzzeitig gewährte Ausnahmegenehmigung wurde nach wenigen Stunden wieder zurückgezogen. Am 26. März 2026 fand eine weitere kurze Anhörung statt. Ein Verhandlungstermin ist nicht angesetzt.
Stand März 2026: Maduro sitzt im Metropolitan Detention Center in Brooklyn. Wann oder ob es zum Prozess kommt, ist unklar. Venezuela liefert Öl.