Glaskulisse

Grönland - Januar 2025

Annexionsdrohungen, Wirtschaftsgipfel und dann?



Schon am 18.August 2019 wurden Trumps Grönlandambitionen erstmals öffentlich bekannt. Nachdem Dänemark den Kaufwunsch als absurd zurück wies, verpuffte die Debatte. Am 22. Dezember 2024 schrieb Trump auf Truth social, dass die USA aus Gründen der nationalen Sicherheit die Kontrolle über Grönland haben sollte. Ab 7. Januar 2025 begann die Grönland Debatte mit dem Besuch von Trump Jr in Grönland zu eskalieren.


Kaufwunsch

2019 wollte Trump Grönland kaufen. Dänemark wies das als absurd zurück. Aber Trump war nicht der erste, der Grönland käuflich erwerben wollte. 1876 und 1946 versuchte die USA bereits Grönland zu kaufen.

Januar 2025: Trump Jr. besucht Grönland. März 2025: Vance besucht Grönland. Der Besuch wurde als "aggressiver Akt angesehen". Grönland ist ein politisch selbstverwalteter Teil von Dänemark. Auf der Insel leben rund 60.000 Einwohnerinnen und Einwohner, die ihren Unmut zeigen. Die grönländische Wochenzeitung "Sermitsiaq" verfolgt den Besuch eng, das Interesse der Leserschaft vor Ort ist groß. Die meistgelesenen Artikel an diesem Tag sind "Sicherheitsberater und Minister nehmen an US-Besuch in Grönland teil", "Múte: Jetzt muss die internationale Gemeinschaft eingreifen" und "Die USA sind in das Zentrum von Nuuk eingezogen". In einem Kommentar heißt es, dass der Besuch ein "sehr klares Signal an Dänemark, Grönland und die Nato ist, dass sie Grönland immer noch wollen". Die grönländische Regierung werte den Besuch von Vance und seiner Frau "als besonders aggressiven Akt", schreibt die Zeitung zudem. Das sei insbesondere so, weil Grönland derzeit dabei ist, eine neue Regierung zu bilden. In der dänischen Zeitung "Berlingske" heißt es: "Provokation erfordert eine klare Antwort. Vance hat in Grönland nichts zu suchen." Auch die "Jyllands-Posten" schreibt von einem "gefährlichen Spiel", welches Trump spiele, wenn er seinen Vizepräsidenten nach Nordwestgrönland schicke. Dezember 2025 Trump ernennt Jeff Landry, den Gouverneur von Louisiana, zum Sondergesandten für Grönland.

Annexionsdrohung

Trump ließ sich nicht abspeisen und sagte im März 2025 vor dem US-Kongress: „Wir werden Grönland so oder so bekommen“. Quelle: Welt

Januar 2026: Trump drohte wiederholt mit der Übernahme Grönlands durch die USA, die Anwendung von Gewalt sei nicht ausgeschlossen. Zuletzt löste er mit der Ernennung eines Sondergesandten für Grönland auf der Insel selbst, in Kopenhagen und in der EU Empörung aus. Völkerrechtlich entbehren die US-Ansprüche allerdings jeder Grundlage. Quelle: t-online. Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben einen erneut von US-Präsident Donald Trump geäußerten Gebietsanspruch auf Grönland deutlich zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, es ergäbe absolut keinen Sinn, ⁠darüber zu sprechen, dass die USA Grönland übernehmen müssten. "Die USA haben kein Recht, eines der drei Länder des dänischen Königreichs zu annektieren", teilte Frederiksen ‌in einer per E-Mail versandten Erklärung mit. Quelle: Zeit

Der grönländische Regierungschef Mute Egede betonte das Selbstbestimmungsrecht der Grönländer. „Wir wollen keine Amerikaner oder Dänen sein. Wir sind Grönländer“, schrieb Egede bei Facebook. Grönland stehe nicht zum Verkauf und könne nicht übernommen werden, das müssten die Amerikaner und Trump verstehen. „Über unsere Zukunft entscheiden wir in Grönland“, betonte er.

Der US-Präsident drohte allgemeine zusätzliche Zölle unter anderem gegen Deutschland in zwei Stufen an, 10 Prozent ab 1. Februar, 25 Prozent ab 1. Juni. Trump fühlt sich nicht dem Frieden verpflichtet, schrieb er in einer Nachricht, da er ja den Nobelpreis nicht erhalten habe. Ein Treffen in Washington zwischen USA, Grönland und Dänemark war nahezu ergebnislos geblieben; man einigte sich darauf, sich nicht einig zu sein - und eine Arbeitsgruppe zu bilden. Quelle: n-tv

Die Kontrolle der Hemisphäre sei ein überlebenswichtiges Kerninteresse, so das Narrtiv, weil Grönland von russischen und chinesischen Schiffen umschwärmt werde und deshalb nur eine Annexion den Bewohnern echte Sicherheit bringen könne. Es gibt längst ein umfangreiches Abkommen, was den USA theoretisch erlaubt, so viele Soldaten und Gerät nach Grönland zu schicken, wie sie wollen. Dänemark und die Arktisinsel erklärten bereits, sie seien zu Gesprächen darüber bereit. Nach dem Treffen in Washington hatte Dänemarks Außenminister Lars Lokke Rasmussen die Behauptungen Trumps infrage gestellt. "Nach unseren Informationen gab es seit etwa einem Jahrzehnt kein chinesisches Kriegsschiff mehr in Grönland", sagte er trocken. Und die Entscheidung nach dem Kalten Krieg, die zahlreichen Militärstützpunkte in Grönland zu verlassen und Soldaten abzuziehen, sei von den USA selbst getroffen worden. "Die Argumente des Präsidenten zu Grönland sind offensichtlich von vorne bis hinten Unsinn", wird Jeremy Shapiro, ehemaliger Beamter im Außenministerium unter Barack Obama und inzwischen beim European Council on Foreign Relations in Washington, von "Politico" zitiert: "Es hat mit seiner persönlichen Selbstverherrlichung zu tun, mit seiner Sichtweise als Immobilienmogul, dass man Macht und Größe dadurch erlangt, dass man Land [erwirbt] und die Landkarte der Vereinigten Staaten erweitert." Quelle: n-tv

Weltwirtschaftsgipfel

Am 19. Januar 2026 begann der Weltwirtschaftsgipfel in Davos, Schweiz. US-Präsident Trump hält unbeirrt an seinem Kurs fest: Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach er sich für Verhandlungen über eine Übernahme Grönlands aus, schloss den Einsatz des Militärs jedoch aus. Hart ins Gericht ging er mit der NATO und auch Europa. In seiner Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump betont, er werde keine Gewalt anwenden, um Grönland in die USA einzugliedern. Er forderte stattdessen unverzügliche Verhandlungen über die Übernahme der Insel. Erneut rechtfertigte Trump seine Forderungen mit Sicherheitsbedenken. Eine Übernahme durch die USA sei "gut für Europa". Nur die USA seien in der Lage, Grönland Sicherheit zu garantieren, so der Republikaner. In der Rede versuchte Trump sichtlich, die Bedeutung der Forderung kleinzureden: Was er verlange, sei eigentlich nur "ein Stück Eis, kalt und schlecht gelegen". Im Vergleich zu dem, was die USA für die NATO geleistet hätten, sei das nur eine "kleine Bitte", behauptete Trump. In Richtung der Bündnispartner sprach er auch eine Warnung aus: Sie könnten jetzt "Ja" sagen und man werde sich erkenntlich zeigen. "Oder Sie können 'Nein' sagen und wir werden uns daran erinnern", drohte Trump. "Wir wollen ein Stück Eis zum Schutz der Welt." Quelle: tagesschau

Rahmenplan

23. Januar 2026: Beim Weltwirtschaftsforum kam es dann zu einer überraschenden Kehrtwende. Nachdem Trump zunächst mit scharfer Kritik an Europa und massiven Zolldrohungen aufgetreten war, verkündete der 79-Jährige nur Stunden später über seine Plattform Truth Social einen "Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland". Die zuvor angedrohten Strafzölle von zehn Prozent gegen acht europäische Länder, darunter auch Deutschland, nahm Trump vorerst zurück. Hinter dem diplomatischen Durchbruch steckt vor allem ein Name: Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Der 58-jährige Niederländer hatte sich bereits zuvor als geschickter Vermittler im Umgang mit Trump einen Namen gemacht. Quelle: news.de

Der ausgehandelte Kompromiss sieht einen deutlichen Ausbau der amerikanischen Militärpräsenz auf Grönland vor. Besonders im Fokus steht dabei das geplante Raketenabwehrsystem "Golden Dome" mit einem Volumen von 175 Milliarden Dollar. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" könnten die USA sogar Souveränität über bestimmte Militärzonen erhalten. Als Vorbild dient das Zypern-Modell: Dort gehören die britischen Luftwaffenstützpunkte Akrotiri und Dhekelia bis heute zum Staatsgebiet des Vereinigten Königreichs. Zusätzlich wurden offenbar Investitionskontrollen beim Rohstoffabbau auf der Arktisinsel besprochen. Damit sollen China und Russland wirtschaftlich und strategisch von Grönland ferngehalten werden. Im Gegenzug ließ Trump seine ursprüngliche Forderung nach einer formellen Annexion des dänischen Territoriums fallen. Quelle: news.de

Und dann?

Operation Arctic Endurance war die dänisch geführte Operation ab Januar 2026, an der mehrere europäische NATO-Staaten teilnahmen, zunächst etwa dreißig Soldaten als Erkundungsmission. Quelle: Wikipedia. Im Februar 2026 startete die NATO darauf aufbauend Arctic Sentry, eine umfassendere Mission zur Stärkung der arktischen Präsenz. Quelle: T-online

Im März 2026 enthüllte der dänische Rundfunk DR, dass Arctic Endurance in Wirklichkeit eine getarnte Verteidigungsoperation war. Mit echten Waffen, Sprengstoff und Spezialkräften, die Vorratslager in Nuuk anlegten. Quelle: Wikipedia Es war keine Übung. Realverteidigung gegen einen NATO-Partner.

Am 15. April 2026 reagiert der Liveblog der grönländischen Presse mit der Antwort: "Donald Trumps Aussage, dass Grönland ein „schlecht verwaltetes Stück Eis“ sei, ist zutiefst respektlos." Das sagte Naaja H. Nathanielsen (IA, Ministerin für Erwerb, Handel, Rohstoffe, Justiz und Gleichberechtigung im Kabinett Nielsen I) am Freitag. Quelle: knr.gl

König Frederik von Dänemark reiste vom 20. bis 24. April 2026 unangekündigt mit der Sirius-Patrouille durch Nordostgrönland, und kommentierte es danach schlicht mit: "Jeg får aldrig nok af Grønland." (Übersetzung: Ich bekomme nie genug von Grönland.) Quelle: kongehuset.dk



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