Glaskulisse

Digitale Souveränität

25 Jahre Debatte und kein bisschen weiser



Am 18. November 2025 fand auf dem EUREF-Campus in Berlin der "Summit of European Digital Sovereignty" statt. Im Fokus standen Künstliche intelligenz, Cloud- und Datenthemen. Deutschland, Frankreich, Finnland und 23 EU-Mitgliedstaaten nahmen teil. Medien legten besonderen Fokus auf die US-Techpolitik unter Trump und die EU-Strafmaßnahmen gegen Apple und X.

Vorgeschichte und Entwicklung

Frühe 2000er Jahre

In den frühen 2000er Jahren begannen europäische Länder, die Abhängigkeit von amerikanischen Technologiegiganten wie Google, Amazon und Microsoft zu hinterfragen.

2013

Im Sommer 2013 wurde das Thema wieder entfacht, durch die Enthüllungen von Edward Snowden über die massenhafte Überwachung durch ausländische Geheimdienste.

2018

Mit dem Cloud Act stellte Trump die eiropäische DGSVO infrage und stellte US-Geheimdienst-Interessen über die Eigentumsrechte europäischer Bürger und Unternehmen.

2019-2022

GAIA-X wurde auf dem Digital-Gipfel 2019 aus der Taufe gehoben. Es sollte ein digitales Ökosystem geschaffen werden, um Daten vertrauensvoller und rechtskonformer nutzbar zu machen und auszutauschen. An dem deutsch-französischen Projekt beteiligten sich über 300 Organisationen und Unternehmen, darunter Bosch, Siemens, SAP, Telekom, Bitkom und die IG Metall. Kritisiert wurde, dass die US-Giganten Microsoft, Amazon und Google an GAIA-X beteiligt wurden. Frankreich wollte die Kontrolle über seine Cloud behalten und Deutschland zierte sich, dem US-Freund Konkurrenz zu machen. Projekte sollten vom Bund finanziert werden, scheiterten dann aber 2022 an fehlenden Mitteln im Bundeshaushalt.

2024-2025

2024 war dann das Jahr, in dem Cloud-Abhängigkeit vom IT-Problem zum strategischen Risiko wurde. Der US-amerikanische CLOUD Act, geopolitische Spannungen und der Fall des EU-US Data Privacy Frameworks beschleunigte sich die Debatte. GAIA-X als Infrastruktur-Alternative zu AWS/Azure (Amazon/Microsoft) ist an zu viel Bürokratie und mangelndem politischen Willen gescheitert.


Nach über 25 Jahren europäischer Digitalpolitik, nach DSGVO, GAIA-X, DMA, DSA, und AI Act ist die Abhängigkeit von US-Konzernen nicht kleiner, sondern größer geworden. Alle regulatorischen Erfolge haben die Marktmacht von Google, Amazon, Microsoft und Meta nicht gebrochen. Sie haben sie allenfalls teurer gemacht.

Die EU hat Regeln, aber keine Infrastruktur. Souveränität ohne Infrastruktur ist letztlich nur Regulierung fremder Systeme.


Digitale Souveränität ist möglich.

Es gibt Lichtblicke, zwar nicht für die EU, aber einige Länder zeigen politischen Willen. Vorreiter digitaler Souveränität durch Glasfaserabdeckung bis ins Haus/in die Wohnung (FTTH: Fibre to the home):

100% - Malta, Rumänien, Spanien

ca. 80-85% - Litauen, Frankreich

ca. 75-80% - Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark

ca. 70-75% - Lettland, Portugal, Schweiz

Mit deutlichem Abstand zu:

ca. 58% - Österreich

ca. 40-43% - Deutschland, Tschechien, Griechenland, Belgien


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