TINTENSCHURKE · Satirische Kolumne

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Auf ein Wort

Juli 2025


Du glaubst, Worte seien harmlos. Ich nicht. Ich habe gesehen, wie sie gezähmt wurden, von Algorithmen mit Blumenschmuck, von Ratgebern mit Sirene, von Märkten mit Zielgruppenfetisch.

Im Juli hat die Welt wieder versucht, Sprache zu bändigen: KI hat sie geglättet, Verlage haben sie geschrubbt, Autoren haben sie in Formulare gegossen. Überall dieselben, polierten Sätze, die verkrampften Lächeln, die Angst, zu direkt zu sein. Man nennt es Stil. Ich nenne es Sedierung.

Der Monat begann mit Blumensprache und endete mit Schubladendenken. Dazwischen fressen Schreibende brav ihre Regeln, bis ihnen die eigene Stimme aus den Ohren pfeift. Und alle tun so, als sei das Literatur. Ich habe sie gesehen, die Türklinkenstreicheler, die Adjektivvermeider, die Menschen, die glauben, ein Roman sei ein Ratgeber mit Dialogen. Sie schreiben nicht mehr, sie führen Checklisten aus.

Gleichzeitig stehen da draußen die Sprachmodelle mit High Heels und Hashtags, jede Woche ein neues Gewand, jede Silbe ein Filter. Worte als Modeaccessoire, angepasst an den Feed, nicht an die Welt. Und wenn irgendwo doch noch einer laut wird, einer, der wagt, zu sagen, was ist, dann wird es gelöscht, geglättet oder zurechtgebogen. Worte dürfen heute alles, außer Bedeutung haben.

Aber habe nicht vor, euch zu trösten. Ich bin hier, um die Schleife vom Maulkorb zu reißen. Ich will den Satz, der schwitzt, das Wort, das blutet und die Idee, die nicht durch Algorithmen passt. Denn wenn Sprache nur noch dekorativ ist, bleibt Satire die letzte Waffe, die noch geladen ist.