TINTENSCHURKE · Satirische Kolumne

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Sprachkürzungen

GSW, ZVG, AStA - oder wie man Menschen mit Buchstaben in den Wahnsinn treibt


Ein Cop im US-Drama ruft ins Funkgerät: „GSW!“. Und man denkt noch: Ach, Schussverletzung. Drei Silben, kein Problem. Doch schon rauscht der nächste Code durch: „APB auf den perp, ETA fünf Minuten, BOLO läuft.“

Hä? Wer ist jetzt gesucht, wann kommen die an, und was läuft wo?

Im Nachrichtenstudio geht’s munter weiter: POTUS kündigt per Executive Order neue Maßnahmen an, während das FBI mit der NSA gegen einen Leak ermittelt, das DOJ aber meint, das gehöre zur CIA. CNN bringt die Eilmeldung, Fox News die Gegenempörung, und wer noch weiß, wer oder was FISA, SCOTUS oder DACA ist, hat wahrscheinlich Jura und Kryptographie gleichzeitig studiert.

Jede Nachrichtensendung wird zum Escape Room. Ohne Decoder-KI keine Chance. Wer das Akronym nicht kennt, bleibt zurück. Verwirrt, frustriert, ausgeschlossen.

Viele Kürzel dauern länger als das Original. „GSW“ buchstabiert sich ins Koma, während „gunshot wound“ flüssig durch die Zähne geht.

In deutschen Unis ist es dasselbe in Beige: ZVG hier, AStA dort, SWS und SHK im Stundenplan. Man fühlt sich wie in einer Sekte, die den Geheimgesang des Alltags pflegt.

Beide Systeme funktionieren nach demselben Prinzip. Abkürzung als Zeichen der Zugehörigkeit. Wer sie versteht, darf mitspielen. Wer nicht, steht draußen und kratzt sich am Kopf. Effizienz? Keine Spur. Es ist reine Symbolpolitik. Sprache als Mauer.

Sprache könnte aufklären.

Aber im Abkürzungs-Kult ersticken Klarheit und Verstand unter einer Lawine von Buchstaben. Wenn du es nicht verstehst, bist du halt kein Mitglied im Club.

#WTFGSW #LOL #ICU #RIP