TINTENSCHURKE · Satirische Kolumne

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Mobbing oder Rhetorik?

Eine Frage der Definition


Es gibt diese groteske Schieflage: In der hohen Politik gilt verbales Mobbing als Stilmittel. Da wird im Parlament geduzt, gedemütigt, beleidigt und das alles live im Fernsehen. Nennt sich dann „Debattenkultur“. Wer am besten sticht, wer am bösartigsten formuliert, wer am lautesten abwertet, der gewinnt. Standing Ovations für die Gemeinheit.

Und unten? In Foren, Communities, beim Gespräch mit künstlichen Intelligenzen? Da regiert der Wattebausch-Filter. Jedes Wort wird auf Weichheit geprüft. „Bitte freundlicher.“ „Bitte sensibler.“ „Das könnte beleidigend sein.“ Da darfst du keinen spitzen Satz mehr fallen lassen, ohne dass sofort der Staubsauger der political correctness anspringt.

Oben: verbale Prügelstrafe im Anzug.

Unten: Sprachwäsche bis zur Inhaltsleere.

Das Absurde: Genau die, die Macht haben, dürfen mobben, weil es angeblich „zur Rhetorik“ gehört. Und die, die nur reden wollen, sollen aufpassen, dass sie nicht mal im Nebensatz anecken. Ergebnis: Gemeinheit wird nach oben belohnt, unten wird selbst Ironie kastriert.

Wenn das so weitergeht, haben wir bald zwei offizielle Sprachordnungen: Waffenrecht für Worte im Parlament und Maulkorbpflicht für alle anderen.

#SprachwäscheBisZurInhaltsleere