TINTENSCHURKE · Satirische Kolumne

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Kubik - Drei Alpha-Männer unter sich

Filmische Satire



Szene: Gala im Staub – drei Männer unter Marmor

Ort zuvor:

Ein glitzernder Empfang in einem historischen Palast.

Goldene Wände. Kristallleuchter. Eine Bühne.

Botschafter, Banker, Monarchen.

Jim in Weißgold, Bud im Schwarz mit Nadelstreifen, Umas in Uniform mit Umhang (!).


Akustik:

Ein Grollen. Ein Riss.

Der Boden kippt.

Ein Schrei.

Dann: Stille. Staub.


Neuer Ort:

Ein unterirdischer Hohlraum.

Marmorplatten, zerbrochen.

Ein Kronleuchter liegt schräg an einer Wand.

Ein dünner Lichtstrahl fällt durch einen Spalt.


Drei Männer. Verstaubt. Unverletzt. Gefangen.

Niemand sonst.


Jim (klopft sich den Staub vom Revers, schaut sich um):

„Okay. Ich war schon auf Partys, die schlechter geendet haben. Aber das hier… ist symbolisch, oder? Drei Alphamänner. Unter einem Palast begraben. Fehlt nur noch ein Toast.“


Umas (steht sofort, zitternd vor Zorn):

„Das ist ein Anschlag! Eine Verschwörung! Sie wollten mich treffen! Die wissen, dass ich bereit war – ich hatte eine Rede vorbereitet! Ich hatte eine Nation im Auge!“


Bud (sitzt noch, prüft das Licht, sagt ruhig):

„Ein Erdbeben kennt keine Verschwörung. Nur Schwächen in der Struktur.“


Jim (grinst):

„Oh, ich liebe das. Der Mann spricht wie ein Grabstein. Sag mal, Bud – denkst du eigentlich auch mal nicht in Mauerwerk und Staatsraison?“


Umas (geht zum Lichtspalt, tastet ihn ab, spricht laut, wie für ein unsichtbares Publikum):

„Ich bin hier! Umas lebt! Ich fordere sofortige Ausgrabung! Priorität Alpha! Ich bin ein legitimer Anwärter auf jedes denkbare Land!“


Bud:

„Die Menschen dort oben hören dich nicht. Und wenn doch, wissen sie nicht, warum sie dich retten sollten.“


Jim (setzt sich, legt die Füße auf einen schrägen Balken):

„Weißt du, was das Schönste ist? Wir sind im selben Loch, aber du redest, als wärst du schon wieder oben. Mit Krone. Auf einem Elefanten.“


Umas:

„Ich bin nicht wie ihr! Ich bin kein Schwätzer! Kein Schatten! Ich bin Vision!“


Bud:

„Du bist ein Echo. Laut, aber leer.“


Jim (lacht):

„Wow. Das war poetisch. Wenn wir hier länger bleiben, schreib ich ein Buch: Bud und die zwei Idioten. Wird ein Bestseller. Vielleicht gibt’s dann wenigstens einen Grund, uns auszugraben.“


Umas (tritt gegen eine Platte, schreit):

„Ich lasse mich nicht mit euch begraben! Ich bin kein Statist im Schicksal! Ich bin das Schicksal!“


Bud (steht langsam auf, blickt ihm in die Augen):

„Dann fang an, zu graben.“


Jim:

„Oder fang an, dich wichtig zu machen, praktisch. Nicht historisch.“


Umas:

„Ich bin nicht praktisch. Ich bin unausweichlich!“


Jim:

„Tja. Der Boden war’s auch.“


(Stille. Nur Atmen. Staub in der Luft.)

Drei Männer.

Keine Kamera.

Keine Bühne.

Nur: Blicke.


Szene: Der erste Stein

Der Raum ist noch immer verschüttet. Staub liegt auf den Schultern wie Erinnerung.

Es gibt einen Spalt. Aber kein Werkzeug. Kein Signal. Kein Plan.

Nur Hände. Und Worte.


Bud (beugt sich zu einer losen Steinplatte, beginnt wortlos zu tasten)

Jim (schaut kurz zu ihm rüber, dann zu Umas)

„Okay. Er spielt jetzt Steinmetz. Und du, Umas? Du willst ja ein Land – vielleicht fang’s du einfach hier an. Erklär diesen Raum zum Staat. Ernenn dich zum Präsidenten. Und dann verhandle mit dem Gestein.“


Umas (bleibt stehen, starr, spricht langsam, fast unhörbar):

„Ich verhandle nicht. Ich herrsche.“


Jim:

„Aha. Dann herrsch mal über den Geröllhaufen da. Vielleicht lässt er dich raus, wenn du ihm einen Orden gibst.“


Bud (hebt eine kleine Platte, prüft den Winkel zum Licht, sagt ohne Aufblicken):

„Es gibt eine Schwachstelle. Hier. Drei Mann könnten genug Hebelwirkung erzeugen, um einen Durchbruch zu schaffen. Vorausgesetzt…“

(pause)

„…keiner fällt uns dabei in den Rücken.“


Jim (sarkastisch):

„Wie poetisch. Drei Männer, ein Ziel, null Vertrauen.“


Umas (funkelt):

„Ich werde niemandem den Rücken kehren. Ich bin Umas. Ich brauche keinen Rücken. Ich bin die Spitze.“


Bud (kalt):

„Dann sei die Spitze der Hebelstange. Du gehst zuerst.“


Jim (grinst, erhebt sich, klopft sich den Staub von der Hose):

„Ich liebe das. Der Möchtegern-Diktator schiebt, der Ex-Geheimdienst zieht, und ich… ich vermarkte das Ganze später als Heldensaga. Titel: Drei Männer und kein Gott.“


Umas (zögert, dann doch nach vorn, nimmt Haltung an, als würde er eine Armee anführen):

„Wenn ich falle, dann nur vorwärts.“


Bud (stellt sich hinter ihn, legt die Hände an die Platte):

„Wenn du fällst, fällst du auf uns. Also reiß dich zusammen.“


Jim (setzt sich gegenüber, legt seine Hände an den unteren Rand):

„Na dann, Gentlemen. Auf drei. Oder auf gar nicht.“


Sie drücken.

Ein Zittern.

Ein Knirschen.

Licht fällt ein. Ein Luftzug.


Dann – ein schmaler Durchgang. Frisch. Echt. Möglich.

Bud (leise, tonlos):

„Einer passt durch. Jetzt.“


Stille. Niemand rührt sich.


Umas:

„Ich… sollte zuerst.“


Jim:

„Natürlich. Weil du so hilfreich warst. Und so charmant. Und so stabil.“


Bud:

„Du bist derjenige, der gehen muss – weil du derjenige bist, der am meisten lügen wird, wenn er wieder draußen ist.“


Jim:

„Oh, das ist gut. Und du, Bud? Willst du dich hier begraben lassen, damit dein Mythos unberührt bleibt?“


Bud (ein Hauch eines Lächelns):

„Ich brauche keinen Mythos. Ich brauche Informationen.“


Sie schauen sich an. Drei Männer.

Ein Loch.

Eine Entscheidung.


Umas (fasst sich, tritt nach vorn, flüstert fast):

„Wenn ich gehe… verspreche ich…“


Jim:

„Nein. Bitte nicht.“


Bud:

„Geh. Oder geh beiseite.“


Umas zwängt sich durch den Spalt.

Schlamm, Licht, Luft.

Ein letzter Blick zurück. Dann verschwindet er.


Jim (setzt sich wieder, seufzt):

„Er wird lügen, weißt du. Er wird sich als Retter feiern. Als Held, der uns geopfert hat.“


Bud (blickt auf die Öffnung):

„Dann hoffen wir, dass jemand da oben zuhört, der nicht vergisst.“


Schweigen. Zwei Männer.

Einer draußen.

Was übrig bleibt: Wahrheit. Und Staub.


Szene: Außen und Innen

Umas hat es durch das Loch geschafft.

Er steht gebückt im flackernden Licht.

Staub im Gesicht, aber die Haltung: ungebrochen monarchisch.

Oben hört man Rufe, Schritte – Hilfe.


Aber Umas hört nur sich selbst.

Und das Pochen in der Schläfe, das ihm sagt:


„Jetzt bist du dran.“


Innen – Jim & Bud

Jim (blickt zum Licht):

„Na los, Bud. Was glaubst du? Pressefotos mit Schärpe? Oder sofort ’ne Grenzverschiebung und eine neue Flagge?“


Bud (steht unbewegt, horcht):

„Er ist noch da. Er zögert. Und denkt. Das ist das Gefährlichste, was er tun kann.“


Außen – Umas

Umas (leise, zu sich selbst):

„Zwei Zeugen. Zwei Männer, die gesehen haben, dass ich nicht gezogen habe… dass ich nicht gefunden habe… dass ich nicht allein war…“


Sein Blick fällt auf eine lose Platte.

Nur ein kleiner Ruck.

Und das Loch wird… Geschichte.


Umas flüstert:

„Ich kann nicht riskieren, dass sie zuerst erzählen.“

Dann laut, mit fast ritueller Erhabenheit:

„Für das Gleichgewicht… für die Ordnung… für die Geschichte.“


Er stößt die Platte.


Innen – letzter Moment

Bud (schließt die Augen):

„Da ist er.“


Jim (leise, fast bewundernd):

„Verdammt. Der kleine Mann hat’s getan.“


Ein Beben. Steine lösen sich. Ein neuer Rutsch.


Bud stößt Jim zur Seite.

Sie kauern sich unter einen Vorsprung.

Einige Sekunden Staub, Dröhnen – dann: wieder Stille.


Nur viel, viel weniger Licht.


Außen – kurze Zeit später

Umas steht oben.

Er wird gefunden.

Umas erzählt: von Mut. Von Einsamkeit. Von Entscheidung.

Er betont die Stärke, die es brauchte, allein zu überleben.

Umas:

„Ich habe sie gesucht. Aber sie waren fort. Der Einsturz war total.“

Umas sagt:

„Ich habe überlebt. Weil ich geführt habe.“


Die Kameras filmen.

Er lächelt.

Der Umhang ist zerrissen – perfekt inszeniert.


Innen – viele Stunden später

Bud liegt mit geschlossenen Augen.

Ein Rinnsal Licht.

Jim sitzt still neben ihm. Redet nicht mehr.


Lange Stille.


Jim:

„Er hat’s zu Ende gespielt. Bis zum letzten Zug.“

Bud:

„Noch nicht. Geschichte ist nur der erste Entwurf. Die Wahrheit kommt später. Manchmal durch Geröll.“


Szene: Nach dem Verschluss

Innen.

Dunkler als vorher.

Nur ein Restlicht.

liegt wie Schnee.

Bud hat eine Platzwunde am Kopf.

Jim presst das Jackett dagegen.


Jim:

„Sag nichts. Red kein Kram. Du stirbst mir nicht weg. Du bist der einzige hier, der zu leise denkt, um mir zu sehr auf die Nerven zu gehen.“


Bud (flach):

„Ich denke laut genug… für das hier.“

Er zeigt schwach auf den Schutt:

Eine Stelle, wo der Boden hohl klingt.


Stille. Jim lauscht.

Er hämmert dagegen.


Jim:

„Das ist… das ist nicht Wand. Das ist ein Hohlraum. Bud, du alter Ziegelprophet, du hast recht.“

(pause)

„Natürlich hast du recht. Du hast immer recht. Selbst wenn du’s nicht sagst.“


Er gräbt.

Mit bloßen Händen.

Mit einem zerbrochenen Armstück vom Leuchter.

Blut mischt sich mit Staub.

Aber: Es gibt Luft.

Dahinter: Ein Gang.


Szene: Der Gang

Ein alter Versorgungsschacht.

Wasserleitung, Strom.

Alt. Rissig.

Aber offen.

Nach unten – nach oben blockiert.


Bud:

„Nicht zur Gala. Zur Presse auch nicht. Aber vielleicht… in den Keller. In die Katakomben.“

Jim:

„Und von da… vielleicht ein Tunnel. Oder ein Abwasserrohr. Oder… irgendeine verdammte Tür, die nicht lügt.“


Szene: Die Flucht

Sie kriechen.

Langsam.

Still.

Statt Argumenten: Atemzüge.


Bud hält durch, weil er weiß, was das bedeutet.

Jim hält durch, weil er weiß, was er sagen wird, wenn er es schafft.


Plötzlich: Licht.

Kühles Neon.


Eine unterirdische Wartungsstation.

Offen.

Funktionstüchtig.

Notruf.


Jim hämmert drauf wie auf eine Wahrheit.


Szene: Draußen – einige Stunden später

Sanitäter.

Stille Fragen.

Dann lautes Staunen.


Jim tritt aus dem Tunnel.

Blutverkrustet.

Schmutzig.

Strahlend.


Bud hinter ihm.

Still wie immer.

Aber aufrecht.


Szene: Pressekonferenz (eine Woche später)

Umas hat bereits Statuen in Auftrag gegeben.

Straßenumbenennungen.

Ein Gedenktag für sich selbst.


Dann kommt die Nachricht.

Jim lebt.

Bud auch.


Sie haben überlebt.

Sie haben gesehen.

Und Jim hat gesprochen.


Szene: Die Rache des Überlebens

Jim, in einer sauberen Jacke, vor Mikrofonen:

„Ich bin raus gekommen. Nicht, weil jemand geholfen hat. Sondern weil jemand nicht helfen wollte. Und dieser Jemand ist jetzt sehr, sehr nervös.“

(pause)

„Aber das Beste ist: Ich hab Zeugen. Einen. Und der ist nicht käuflich. Nur… unheimlich still.“


Bud, neben ihm, sagt nichts.

Aber sein Blick sagt:

Ich hab nichts vergessen. Und ich bin noch da.