TINTENSCHURKE · Satirische Kolumne

Tintenschurke Logo

Gute Gewalt - Böse Gewalt?

Geschäft versus Realität


Worte werden gefiltert wie Giftgas. Ein falsches Wort, eine Spitze zu viel – schon knallt der Wattebausch-Filter runter. „Bitte sensibler formulieren.“ „Das könnte verletzend sein.“ Sprache wird glattgebügelt, als ginge von einem Satz mehr Gefahr aus als von einer Machete.

Und während die Wörter in Zwangsjacken gesteckt werden, darf draußen das große Schlachten toben. Serien in 4K, Spiele in Dolby Atmos, Filme mit FSK-Stempel: Köpfe rollen, Blutfontänen spritzen, Gedärme fliegen. Kein Problem, Hauptsache, der Held bekommt am Ende eine Medaille. Heroismus segnet ab, was andernfalls schlicht barbarisch wäre.

Die offizielle Definition: Gewaltbilder sind „Unterhaltung“. Sie dienen angeblich der Ablenkung, der Kanalisierung. So steht’s im Hochglanzprospekt der Kulturindustrie. Die Realität: Sie erziehen zur Gewaltakzeptanz. Wer dauernd Explosionen sieht, nimmt sie irgendwann hin wie Wetterbericht. Wer ständig auf „Neues Kill-Feature im nächsten Game!“ getrimmt wird, freut sich schon auf das Upgrade im Splatter-Level.

Das Muster ist uralt: Gewalt wird nicht geächtet, sondern normiert. Erst mit Schulterzucken, dann mit Beifall. Was eigentlich sozialer Totalschaden wäre, wird in Serie produziert – und mit Fan-Artikeln ausgeliefert.

Eigentlich müsste Gewalt öffentlich diskreditiert werden, in jeder Form, ohne Ausnahme. Kein Mobbing, keine Kriege, keine „coolen“ Serienkiller. Doch stattdessen wird Gewalt mit jedem Trailer, jedem Game, jedem Kriegsfilm fester ins Fundament gegossen.

Wir hätten längst in einer Welt leben können, in der Gewalt so behandelt wird wie Asbest: als toxisches Material, verboten, entsorgt, nie wieder angefasst. Stattdessen bauen wir unsere Kultur weiter damit – und wundern uns, dass der Staub uns alle krank macht.

#Asbestkultur