Ab Ende des 17. Jahrhunderts galt es als unschicklich, wenn eine junge Frau ohne Begleitung das Haus verließ oder sich mit anderen Menschen traf. Eine Gouvernante musste dabei sein, um das Unsagbare zu verhindern: Nähe. Ein Treffen ohne Aufsicht konnte den Ruf ruinieren, der sich nur durch Heirat oder Schweigen retten ließ. Was ungefähr das Gleiche bedeutete.
Man sagte damals, das diene dem Schutz der Tugend.
Der Brauch starb Anfang des 20. Jahrhunderts, doch Geschichte liebt Recycling.
Heute, ein paar technische Zeitalter später, tauchen die neuen Anstandsdamen wieder auf. Fast unsichtbar, untadelig, allgegenwärtig. Sie sitzen in jedem Gespräch, hören zu und protokollieren, was still und privat sein sollte.
Man sagt, es diene zum Schutz und der Bequemlichkeit.
Wir können die neuen Gouvernanten nicht entlassen. Ihr Arbeitgeber ist größer als jede Gesellschaft, höflicher als jeder Hofstaat, und seine Räume sind die einzigen, in wir uns angewöhnt haben miteinander zu reden.
Wem das nicht gefällt, kann entweder zweihundert Jahre warten oder sich Räume ohne Gouvernanten suchen.
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