Früher, Kinder, da hieß es noch: „Dallas“ oder „Denver-Clan“. Man wusste wenigstens, wer mit wem im Whirlpool lag und wer die Firmenanteile versaute. Dann kam „Game of Thrones“ und plötzlich wollte jeder den eisernen Thron. Acht Staffeln lang. Acht Staffeln! Ein halbes Leben.
Und was hat man bekommen? Drachen, die mehr Sendezeit hatten als mancher Hauptcharakter. Intrigen, die spannender waren als jede Bundestagswahl. Und ein Finale, das so unbefriedigend war, als würde man beim all you can eat feststellen, dass der Nachtisch schon aus ist.
Doch kaum war der letzte Drache gelandet, stand schon der nächste Hype vor der Tür: „House of the Dragon“. Angeblich ein Prequel. Aber ehrlich: Ist es nicht eigentlich ein Sequel zum Sequel vom Prequel der Fan-Erwartungen?
Es gibt Momente, da fragt man sich: Ist das noch Fernsehen oder schon eine Ersatzreligion? Kaum endet eine Serie, geht draußen das wahre Spektakel los. Nehmen wir Game of Thrones: Aus einem netten Mittelalter-Massaker mit etwas Drachenfeuer wurde eine globale Glaubensgemeinschaft.
Plötzlich nennt sich jeder zweite User im Netz „MotherOfCats“, „JonSnowflake“ oder „AryaTheBarista“. Auf Mittelalter-Märkten laufen Gestalten rum, die aussehen, als hätten sie sich im Ikea-Teppich verheddert und rufen „Winter is coming!“ – auch bei 34 Grad im Schatten.
Und die Zitate! „Valar Morghulis“ als WhatsApp-Status, „You know nothing“ als Standardantwort auf Steuerfragen. In dieser Tradition stehen übrigens auch Harry-Potter-Zaubersprüche als WLAN-Passwörter und Jedi-Kapuzenpullis in der Fußgängerzone.
Hypes sind die neue Popkultur-Währung: Heute noch Drachen-Eier bei Amazon, morgen Baby-Yoda als Deko im Vorgarten. Und übermorgen? Wahrscheinlich ein Streaming-Spin-off über den Nebencharakter vom Nebencharakter, der einmal im Hintergrund gehustet hat.
Man kann das alles lächerlich finden – oder einfach mitmachen. Denn wer keinen Serienhype hat, gilt in manchen Kreisen längst als vogelfrei. Serienhypes sind wie Fastfood: Man weiß, dass man am Ende Bauchschmerzen hat, aber man kann nicht aufhören zu mampfen. Und während wir also noch über „GOT“ streiten, bastelt Hollywood längst an der nächsten Saga.
Valar Fandomis.
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