Es gibt Berufe, die erklären sich von selbst: Bäcker backt, Maler malt, Fensterputzer putzt Fenster. Klingt logisch, oder? Nicht in Zeiten sprachlicher Aufrüstung. Heute ist der Fensterputzer längst zum „Glas- und Wasserinstallateur“ befördert. Klingt nach Fachhochschule, Meisterprüfung und mindestens drei Schraubenschlüsseln in der Brusttasche. Dabei will er doch nur mit seinem Abzieher Streifenfreiheit hinterlassen.
Die Putzfrau? Gibt’s nicht mehr. Heute heißt das „Reinigungsfachkraft für infrastrukturelle Hygienemaßnahmen“. Heißt: Eimer, Lappen, los.
Und der Müllmann? Bitte! Der ist jetzt „Fachkraft für Kreislaufwirtschaft“. Klingt ein bisschen, als hätte er den Club der Nobelpreisträger gerade knapp verpasst.
Natürlich macht das Spaß, wenn man einmal anfängt. Der Bäcker wird zum „Thermo-biochemischen Kohlenhydrat-Designer“. Der Frisör: „Keratin-Struktur-Optimierer“. Der Koch? „Kulinarischer Erlebnis-Manager mit Schwerpunkt Temperaturvariation“.
Und wenn wir schon dabei sind:
Der Taxifahrer: „Individueller Mobilitäts-Dienstleister für urbane Kurzstrecken“.
Der Gärtner: „Biodiversitätskurator im Freiluftlabor“.
Die Kassiererin: „Liquiditätsfluss-Interface im stationären Handelsumfeld“.
Metzger: „Tierprotein-Umwandlungsfachkraft für kulinarische Endprodukte“
Zahnarzt: „Orale Kalzium-Architektur-Optimierungseinheit“
Politiker: „Gesellschaftsmeinungs- und Versprechens-Manager im Legislaturzyklus“
Bäcker: „Thermo-biochemischer Kohlenhydrat-Designer“
Dachdecker: „Vertikalstruktur- und Niederschlagsabwehrtechniker“
Maurer: „Mineralische Modularstrukturbauer im Hochformat“
Beamter: „Paragrafenbasierter Prozess-Stabilisierungsagent“
Frisör: „Keratin-Struktur-Optimierer mit Scherenkompetenz“
Verkäufer: „Konsum-Anbahnungsspezialist im Point-of-Sale“
Busfahrer: „Horizontale Massenmobilitäts-Koordinator“
Rechtsanwalt: „Juristischer Konfliktlösungs- und Gebührenmaximierungsberater“
Lehrer: „Pädagogischer Wissensvermittlungs- und Frustrationstoleranz-Coach“
Und der Schornsteinfeger? „Vertikaler Abluftkanal-Detektions- und Rußpartikelbeseitigungsbeauftragter“.
Man fragt sich unwillkürlich: Ist das noch Respekt – oder schon Tarnkappe? Denn manchmal sind die alten Begriffe ehrlicher, direkter, und klingen auch noch schöner. „Fensterputzer“ mag schlicht wirken – aber er sagt in einem Wort, was Sache ist. Und er hat den Bonus, dass Oma ihn noch versteht, ohne vorher den Berufsbildungskatalog der IHK durchzublättern.
Vielleicht sollte man Political Correctness dort anwenden, wo Sprache wirklich verletzt. Aber beim Fensterputzer? Da wäre es schon Korrektheit genug, ihn ordentlich zu bezahlen und nicht bloß seinen Titel aufzublasen, bis er klingt wie ein NASA-Ingenieur.
#JobtitelInflation