„Halt! Wartet! Kommt zurück!“, schrie Jason dem sich entfernenden Schiff hinterher. Wild fuchtelte er mit einem Arm, während er mit dem anderen paddelte und mit den Beinen Wasser trat. Verzweifelt versuchte er die Yacht einzuholen, doch der Abstand zur Serena wurde in gleichmäßigem Tempo immer größer. Unaufhaltsam. Seine Arme schmerzten und er wurde langsamer. Nein! Verdammt. Er war allein, mitten im Indischen Ozean. Die Wellen reflektierten das Mondlicht. Die Erkenntnis des Unausweichlichen brach über ihm zusammen. Ich verdammter Vollidiot! Nein! Scheiße! Scheiß Handy. Scheiß Yacht. Ich werde hier krepieren. Nein!
Sonntag hatte die Serena die Seychellen verlassen und sollte am Mittwoch den 360 Kilometer entfernten Hafen von Port Louis auf Madagaskar erreichen. Heute war Montag, nein, schon Dienstag und die Sonne würde in einigen Stunden aufgehen, wenn er dann noch lebte. Eigentlich hatte er eine Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff Sea Princess, doch dann kam er auf die fixe Idee sich eine kleine Yacht zu mieten. Der Eigner hatte ihm die Serena gegen einen stolzen Preis überlassen und ihn vor dem Trip gewarnt. Aber nein, er musste ja sein Abenteuer durchziehen. In einer Bar hatte er Maurice kennengelernt und angeheuert, der ihn in seiner Idee unterstützte und mit dem er sich auf See abwechseln konnte. Während Maurice in der Kajüte schlief, wollte Jason den Sternenhimmel fotografieren. Das Handy entglitt ihm. Instinktiv griff er danach und verlor das Gleichgewicht. Jason fiel über Bord und hier war er nun.
Immer noch schwamm er mit kräftigen, gleichmäßigen Zügen in die Richtung, in der das Schiff verschwunden war. Jason überlegte, welche Möglichkeiten ihm offenstanden. Tod durch Ertrinken, von einem Hai gefressen zu werden oder verdursten. An Unterkühlung würde er zumindest nicht sterben, denn die Wassertemperaturen lagen bei sechsundzwanzig Grad Celsius, was ihn nur wenig tröstete. Welche Todesart war angenehmer? Nein, verdammte Scheiße! Er war noch nicht bereit, zu sterben. Vielleicht kam ja doch ein Boot vorbei oder er fand eine kleinere Insel, die nicht auf der Karte verzeichnet war. Wie lange kann man schwimmen? Er hatte gelesen, dass man fünfzig bis hundert Kilometer auf dem Meer durchhalten konnte. Er musste es versuchen.
„Hey, du“, sagte eine wässrige Stimme. Wasser spritze ihm in die Augen. Es brannte, also kniff er sie sofort wieder zusammen.
"Hey", sagte die Stimme wieder. Ein kleiner Wasserfinger reckte sich ihm entgegen.
„Was bist du? Und was machst du hier?“
Bevor Jason etwas erwidern konnte, brodelte das Wasser vor ihm und ein riesiger Kopf schob sich aus dem Nass. Was zum Henker... Der Kopf bestand ganz aus Wasser und ähnelte einer Mischung aus Mensch, Fisch und Reptil. Tropfen perlten von der fließenden Form ab und fielen herab.
„Geh Wellen fangen“, sagte die Kreatur zu dem Wasserfinger, der daraufhin verschwand.
„Was willst du hier?“, fragte das Wasserwesen. Seine Stimme klang so freundlich, wie das Dröhnen eines Wasserfalls.
Jason versuchte erst gar nicht, eine logische Erklärung zu finden, sondern ergriff die Gelegenheit.
„Ich bin über Bord gefallen und mein Schiff ist weg. Es ist zu weit für mich bis ans Ufer zu schwimmen. Ich will nicht sterben. Bitte hilf mir.“ Hoffnung keimte in ihm auf.
„Wir? Dir helfen? Deine Art will uns zerstören und ihr ignoriert meine Warnungen. Immer wieder spüle ich deinesgleichen von den Küsten in euer Territorium zurück und doch kommt ihr immer wieder“, grollte der monströse Wasserkopf und neigte sich bedrohlich über Jason. Wasserstrahlen trafen ihn hart und wühlten das Wasser um ihn herum auf. Prustend strampelte er auf der Stelle.
„Ich will dich nicht zerstören, ich kann dir helfen“, schrie er gegen das tosende Geräusch fallender Wassermassen an. Er wusste zwar nicht, wie er helfen konnte, doch er würde alles versprechen, um zu überleben.
„Du kannst helfen? Warum solltest du das tun?“ Einen Moment schwieg das Wasserwesen.
„Ich habe keine Zeit für dich. Geh zu meinen Kindern. Wenn es dir gelingt sie zu überzeugen, mögen sie entscheiden, was sie mit dir machen.“ ...
Wenn du wissen willst, wie es weitergeht, schreib mir unter "Kommentieren", dann stelle ich den Rest der Geschichte ein.