TINTENSCHURKE · Gedankenexperimente

Was wäre wenn...

es einen non-profit Verlag gäbe, der keine Genrepflicht hätte?


Die Branche reagiert schockiert. Ohne Genrepflicht wüssten Lektoren nicht mehr, woran sie glauben sollen. Der erste Autor liefert ein Manuskript mit dem Titel „Vielleicht ein Roman“, gefolgt von einem 800-seitigen Gedicht in Tabellenform. Ein anderer reicht seine Steuererklärung als autobiographische Kurzprosa ein. Der Buchhandel meldet Chaos. Regale kollabieren unter dem Gewicht von Geschichten, die sich weigern, in Schubladen zu passen. Verlage versuchen, das Experiment nachzuahmen, doch die Software stürzt ab, sobald sie „unklassifizierbar“ hört. Die Bestsellerlisten brechen zusammen, weil niemand weiß, was verkauft wurde. Nur eines ist sicher: Zum ersten Mal seit Erfindung des Buchrückens schreiben Menschen wieder, ohne sich um die Etiketten zu sorgen.